Wo sonst Maker 3D-drucken während Biodesign mit Schleimpilzen spielen, wurde es am letzten Aprilwochenende geradzu altmodisch. Wir hatten Judith von der Folkwang Universität der Künste und Hilde von Fermentation Space eingeladen, um uns und neugierige Teilnehmer*innen in die Kunst der Fermentation einzuführen.
Judith hatte bereits gemeinsam mit Julia auf dem letzten Innovative Citizen Festival einen Workshop gehalten. Die damalige Teilnehmerin Hilde brennt seit diesem Workshop so sehr für Fermentation und die sozialen Geschichten und Erinnerungen, die damit in Verbindung stehen, dass sie ihren eigenen Blog ins Leben gerufen hat und nun selbst zur Workshopleiterin wurde.

Nach einer kurzen Einführung über die verschiedenen Varianten von Fermentation, ging es auch schon praktisch los. Chinakohl wurde in Salzwasser eingelegt, um ihn für zu Weiterverarbeitung zu Kimchi vorzubereiten. Neben Gemüse, waren auch (Pflanzen-)Milchprodukte Thema. Milchkefir wurde angesetzt und Joghurt mit verschiedenen Starterkulturen ausprobiert. Besonders exotisch – Ameisenerde. Judith und Julia hatten in einem anderen Workshop als Teilnehmerinnen gelernt, dass sich in Erde aus Ameisenbauten (früher nutzte man wohl Ameiseneier dafür) Mikroorganismen befinden, die zur Joghurtherstellung geeignet sind. Nach dem Start der wilden Experimente, durfte die so vorbereiteten Fermente über Nach arbeiten.
Sonntags wurde dann richtig angepackt. Für den Kimchi mischten die Teilnehmer*innen eine Chili-Gewürz-Sauce an, mit der der Chinakohl zärtlich eingerieben wurde, bevor er in Einmachgläser gedrückt wurde.

Achtung, Wichtig! Zur Herstellung von Kimchi wird ein bestimmtes Chilipulver genutzt. Also geht bloß brav in den Asiamarkt und nicht in den Supermarkt, um die Ecke, das wäre ein Frevel!

Für das Sauerkraut musste dann geschuftet werden. Ein ganzer Kohlkopf wollte in Streifen geraspelt, ausgedrückt, gesalzen und in Gläser gefüllt werden. Nicht nur die Sonne heizte uns da gut ein. Währenddessen verlangte der Milchkefir immer mal wieder im Aufmerksamkeit und wir mussten ihn sanft bewegen. Bei der Fermentation hat man es mit lebenden Mikroorganismen zu tun, die haben unmal ihre Ansprüche.
Last but not least wurden Möhren mit rotem Pfeffer (manch Teilnehmer*in begeisterte sich so für die rosa Beeren, dass die Rezeptangabge deutlich überschritten wurde – das wird feurig) in Salzlake eingelegt. Außerdem auf dem Lehrplan standen Getränke, wie Kombucha und Wasserkefir.

Ein Fermentationspicknick im Sonnenschein mit Käse, Brot, Ingewerbier und vielen weiteren Leckereien rundete das schöne und lehrreiche Wochenende ab. In geselliger Runde wurden bei Moscow Mule Anekdoten und Erinnerungen an Omas SAuerkrauttopf und Dickmilch mit der Gruppe geteilt. Mit vollem Bauch und einem Kopf voller Ideen und Rezepte ging es dann glücklich nach Hause.